Cafe in der Gerbrunner Stadtbücherei eröffnet

Cafe in der Gerbrunner Stadtbücherei eröffnet

Hier gibt es leckeren Kaffee und Schokoladenkuchen, Baguettes mit Antipasti-Gemüse und originelle Tagesgerichte: Seit Anfang März verwöhnt das neue Kolping-Café die Gäste der Gerbrunner Bücherei. Der gastronomische Betrieb ist ungewöhnlich, und zwar nicht nur wegen seines ausgeklügelten kulinarischen Konzepts. Mit dem inklusiven Projekt eröffnet Kolping-Mainfranken überdies benachteiligten Menschen aus der Region eine neue Jobperspektive.

Als Franziska Ossig von dem Beschäftigungsprojekt in der Alten Feuerwehr hörte, war sie gleich Feuer und Flamme. „Ich spürte sofort, dass ich hier endlich etwas finden würde, das zu mir passt“, sagt die 27-Jährige. Ossig ist gelernte Metzgereifachverkäuferin. Fünf Jahre lang übte sie diesen Beruf auch aus. Doch plötzlich streikte ihre Psyche. Die Mengen an Fleisch, die täglich in Metzgereitheken ausliegen, lösten massive Ekelgefühle aus. Ossig selbst wurde Vegetarierin. Dennoch versuchte sie zunächst, weiter zur Arbeit zu gehen. Die psychische Belastung durch den Metzgereijob machte sie jedoch körperlich krank.

cafe_eroeffnung3„Ich wollte es dann in anderen Verkaufsbereichen versuchen“, berichtet sie. So begann eine kleine Odyssee. Hier blieb sie mal ein paar Wochen, dort wenige Monate: „Nie klappte etwas auf Dauer.“ Ihre Jobmanagerin im Jobcenter des Würzburger Landratsamts schlug Franziska Ossig schließlich vor, ein Praktikum im neuen Beschäftigungsprojekt von Kolping-Mainfranken abzuleisten. Die junge Frau hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl: „Hier ist es einfach harmonisch, und genau das habe ich an den anderen Arbeitsplätzen so sehr vermisst.“

Mit Benjamin Hanglberger hat Franziska Ossig erstmals einen Kollegen mit einer schweren Behinderung. Auch mit ihm arbeitet sie sehr gut zusammen. Hanglberger ist 35 Jahre alt. Vor knapp einem Jahr erlitt er einen Schlaganfall. Das beeinträchtigte den gelernten Schuhmacher stark: „Ich habe seither öfter Schwindel.“ Auch stimmt etwas mit seinem linken Auge nicht. Die Beschäftigung im Lesecafé von Kolping gefällt dem jungen Mann gut. Hanglberger fühlt, dass er trotz seiner Behinderung sowohl von seinen drei Kolleginnen als auch von den Kundinnen und Kunden voll und ganz akzeptiert wird.

Hanglbergers Spezialität ist die Zubereitung der gegrillten Baguettes, während es Franziska Ossig liebt, hinter der Theke zu stehen und die Kunden zu bedienen. „In Zukunft soll jedoch jede und jeder alles können“, sagt Bäckermeisterin Ann-Kathrin Kohler, die für das Projekt verantwortlich ist. Auch Franziska Ossig wird also im Laufe der kommenden Wochen einmal ausprobieren, wie es ist, in der Küche zu arbeiten. Hanglberger wird sein Verkaufstalent erproben und sehen, ob er auch zu Stoßzeiten mit der Kaffeemaschine zurechtkommt. „Irgendwann werde ich mich aus dem Projekt zurückziehen, dann soll das Team das Café alleine managen“, sagt Kohler.

Bei dem Beschäftigungsprojekt, das vom Solidaritätsfond für Arbeitslose im Bistumcafe_eroeffnung2 Würzburg unterstützt wird, kooperiert Kolping-Mainfranken eng mit dem Jobcenter sowie mit dem Würzburger Integrationsfachdienst (ifd), der für die Vermittlung von Menschen mit Handicap zuständig ist. Insgesamt fünf integrative und inklusive Teilzeitarbeitsplätze sollen in Gerbrunn geschaffen werden. Zwei weitere Stellen werden in den kommenden Wochen besetzt. Der Fokus liegt auf Frauen, die länger arbeitslos waren, so Kohler: „Doch ich integriere gern auch noch einen Mann mit Handicap in unser Team.“

Bei den Kundinnen und Kunden der Bücherei kommt das neue Angebot super an. Der Hit ist augenblicklich die Himbeermustorte. Aber auch die aus regionalen Zutaten hergestellten Tagesgerichte werden geschätzt. Überhaupt sucht das Gerbrunner Café seinesgleichen. Wo sonst findet man derart leckere, selbst gebackene Kuchen, bei deren Herstellung auf so viele Details geachtet wurde!

„Für unseren Schokoladenkuchen zum Beispiel verwenden wird Kuvertüre und kein Schokoladenpulver“, erläutert Kohler. Auch wird nicht ausschließlich mit Weizenmehl gebacken. Mal kommt Dinkelmehl, mal Vollkornmehl in den Teig. Sogar bei den zugekauften Backwaren wird darauf Wert gelegt, dass sie aus natürlichen Zutaten bestehen  – und so gebacken wurden, dass sie auch noch nach einigen Stunden knusprig sind.

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